Kommunikation in der Führung 4.0

Die Arbeitswelt ist bei „4.0“ angekommen - bei Arbeit oder Industrie. Da darf „Führung 4.0“ nicht fehlen. Wie muss denn der CEO oder der Chef heute kommunizieren? Der folgende Text liefert Ihnen Antworten zu guter Kommunikation für Führungskräfte.

„Man kann nicht nicht kommunizieren“, sagte mal Paul Watzlawik. Stimmt, gilt auch für Führungskräfte. Sollten die nämlich einfach mal keine Lust haben, mit ihren Mitarbeitern zu reden, ist das auch ein Signal, das sie in die Firma senden. Und ein fatales obendrein. Kommunikation ist kein Selbstläufer. Aber auch kein Hexenwerk. Vielmehr ist Führung nach Ansicht von Professor Neuberger eine Sonderform der Interaktion, geprägt durch das Machtgefälle zwischen Mitarbeiter und der Führungskraft.
Zuallererst muss die Führungskraft die Richtung vorgeben, Anweisungen treffen, Befehle erteilen. Nur eine klare Anweisung verhindert an dieser frühen Stelle schon die ersten Kommunikationsprobleme. Das muss man aber lernen. Niemand wird als Führungskraft geboren, viele werden aber viel zu früh in solche Positionen gesetzt, was die Mehrheit selber bedauert. Man kann aber nur lernen durch Feedback, dass einem Mitarbeiter geben. Wie eine Studie 2015 gezeigt hat, glauben viele Chefs, dass sie ihr Team motivieren und gute Vorgesetzte sind. Leider sehen das die meisten Mitarbeiter nicht so. Nur ein Drittel der befragten Angestellten war der Meinung, klare Zielvorgaben zu erhalten, andererseits geben 86 % der Führungskräfte an, klare Ziele vorzugeben.
Ein krasser Unterschied zwischen der Eigen- und der Fremdwahrnehmung mit oftmals katastrophalen Folgen. Und weiter: Während weniger als die Hälfte der Mitarbeiter angibt, dass ihre Führungskraft einen offenen und ehrlichen Dialog mit ihnen führt, gehen deren Chefs mit 93 % davon aus, gerade das zu tun.

Chefs finden sich in der Regel gut

In der Perzeption vieler Chefs performen sie selber gut, begeistern andere und geben regelmäßig Feedback. Auch hier sehen das die Mitarbeiter anders. Aber bekommen denn die Chefs ein ehrliches Feedback von unten? Fordern sie dieses ein? Zum Beispiel kann ein anonymer Fragebogen einen ersten Anhalt geben zu den bestehenden Problemen. Gleichzeitig kann man Ideen abfragen und die Kreativität fördern - da liegen nämlich in vielen Bereichen ungeborgene Schätze. Wissen Sie, was das Wichtigste an einem solchen Fragebogen ist? Sie signalisieren die Bereitschaft zuhören zu wollen. Nach meiner persönlichen Erfahrung in vielen Führungspositionen ist „Zuhören“ das Salz in der Suppe.
In der offenen und ehrlichen Kommunikation von Führungskräften sind neben dem Zuhören weitere Punkte relevant. Lob und Anerkennung etwa sind nicht nur ein wichtiges Feedback, um zu wissen, ob man die Vorgaben des Chefs richtig umgesetzt hat. Die Anerkennung ist vielmehr ein Grundbedürfnis eines jeden Mitarbeiters und wirkt motivierend. Der Autor und Trainer Alexander Groth empfiehlt sogar ein Lobbuch, damit man im Mitarbeiterjahresgespräch sich auch an alle lobenswerten Ereignisse erinnern kann.

Informationen teilt man 

Ein weiterer Baustein ist der Informationsfluss. Informationen sind ein wichtiges, ein wertvolles Gut. Sie werden nicht gehortet, um sich einen Vorteil zu verschaffen oder diese kontrollieren zu können, sondern geteilt. Führungskräfte müssen dafür Sorge tragen, dass Informationen durch die Organisation fließen und überall ankommen. Das fördert den Zusammenhalt, nimmt die Mitarbeiter mit, beflügelt die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Stellen. Manche Firmen wie Buffer gehen mit der Transparenz sogar soweit, dass z.B. die Gehälter aller Mitarbeiter online einsehbar sind und ernten damit ein positives Feedback und viel Aufmerksamkeit in den Medien. Die meisten Firmen und Organisationen sind leider noch nicht soweit. Viele, auch bei mir beim Militär, gehen eher den umgekehrten Weg und reduzieren den Informationsfluss noch weiter durch Klassifizierungen hoch bis zu „Geheim“. Dass das aber der falsche Weg ist, hat der ehemalige US-General MacChrystal gut in einer TED-Session dargelegt. “Sharing is Power”.

Gute Führungskräfte hören also zu und reden mit ihren Mitarbeitern. Dabei müssen sie eine Sprache sprechen, die die Mitarbeiter auch verstehen. Der Chef von VW wird in der Vorstandsetage anders reden können als mit den Arbeitern am Fließband, weil diese einen anderen Zeichenvorrat haben. Das kann manchmal sogar schwierig sein, deshalb darf man sich aber nicht davor drücken. Gehen Sie mal durch Ihre Abteilung oder Ihre Firma und fragen Sie die Leute etwas Privates. Nehmen Sie an Feiern teil (aber bloß nicht bis zum bitteren Ende), etablieren Sie regelmäßige Gesprächsformate, gehen Sie in der Mitarbeiterkantine essen, richten Sie eine Sprechstunde ein. So bekommen Sie nicht nur Wichtiges mit, sondern können auch Botschaften setzen und machen alle Mitarbeiter zu Botschaftern der Firma.
„Gute Führung ist durch nichts zu ersetzen“, sagt Alexander Groth. So einfach ist das!

Kommunikation in der Führung 4.0 -
digital reloaded

Führung ist anstrengend und schwer, in Zeiten der Digitalisierung wird es nicht einfacher. „Digitalisierung“ wurde ausgelöst durch die allgemeine Computerisierung und erfasst heute alle Bereiche des Lebens: Arbeitsprozesse werden am Rechner schneller erledigt, Roboter bauen Geräte zusammen, Autos bremsen selbständig (und meistens rechtzeitig), Menschen können jederzeit weltweit kommunizieren, riesige Mengen an Informationen werden digital gespeichert. Es gibt unzählige Beispiele; viele fangen schon in der eigenen Hosentasche beim Smartphone an.

Die Änderung von Arbeit und Arbeitsprozessen (Arbeit 4.0) ist vor allem durch die Digitalisierung verursacht. Studien belegen jedoch, wie wenig Arbeitnehmer in Deutschland - schlimmer: auch deren Chefs - diese Entwicklung richtig einschätzen. So werden gerade Jobs mit weniger komplexen Tätigkeiten stark durch Automatisierung bedroht. „Selbstfahrende Autos machen Taxifahrer überflüssig, Computerprogramme ersetzen Bankberater, Internetportale benötigen keine Verkäufer mehr.“ Folglich müssen sich Firmen der Digitalisierung stellen und das digitale Know-How der Mitarbeiter schulen.
Ein häufiger Fehler ist, als Digitalisierung nur die Einführung neuer IT anzusehen. Natürlich gehören auch mobile Endgeräte dazu oder cloudbasierte Software. Und dieser immer schneller stattfindende Einführung neuer Technologien muss man sich stellen, sonst wird man vom Markt verdrängt.
Es hat aber auch viel mit Führung zu tun: Wie nutze ich mobile Endgeräte für Homeoffice und lasse meine Mitarbeiter somit an die lange Leine? Wie setze ich cloudbasierte Software ein, um Teams ggf. weltweit gemeinsam an Projekten arbeiten zu lassen? Welche rechtlichen Fragen ergeben sich daraus (wie sehen z.B. die arbeitsrechtlichen Bedingungen in den anderen Ländern aus)?. Daraus ergibt sich ein erhöhter Kommunikationsbedarf, um für alle Mitarbeiter klare Regeln zu schaffen und maximale Transparenz zu erzeugen. Wer soll sich mit all den Fragen der Digitalisierung auseinandersetzen, wenn nicht die Führungskräfte? Sie müssen vorweg gehen, die anderen mitnehmen, begeistern, motivieren und das Change Management organisieren. Wer das nicht kann oder nicht will, stellt sich selbst ins Abseits.

Digitalisierung bedeutet Verhaltensveränderung

Es mangelt den Unternehmen ja auch nicht an Ideen, sondern an der Fähigkeit, Arbeitsweisen bzw. Verhalten innerhalb des Unternehmens umzustellen. Oft kündigt beispielsweise die Führungsriege eine Neuausrichtung an, hält aber selbst am stärksten am Status quo fest. Manch Vorgesetzter sieht sogar Änderungen als Kritik an seiner Person und seinem Führungsstil. Internes Feedback, externe Beratung und Coaching können dann hoffentlich langsam zu Verhaltensänderungen führen.
Führungskräfte brauchen neben Veränderungswillen Mut, um die Mitarbeiter machen zu lassen. Gerade die Jungen, die gerne unter „Generation Y“ zusammengefasst werden, sind mit vielen digitalen Möglichkeiten groß geworden. Gibt es z.B. den Vorschlag eines Corporate Blogs für die Kommunikationsstrategie, sollte man dieses zulassen. Ob der Chef Blogs mag oder nicht, ob er überhaupt weiß, was das ist, spielt dabei keine Rolle.
Manche Firmen versuchen mit Hilfe eines geschaffenen Chief Digital Officer (CDO) die Digitalisierung managen zu lassen. Das kann aber nur funktionieren, wenn die Erwartungshaltungen erfüllbar sind und die Anwesenheit des CDO nicht die anderen Führungskräfte aus ihrer Verantwortung zur Digitalisierung entlässt. Der CDO ist nicht Change Manager, nicht der Coach für die Führungskräfte, nicht der Anwalt für Arbeit 4.0 und nicht der Social Media Manager.
Die Digitalisierung bewirkt auch einen anderen Umgang mit Informationen. Im digitalen Zeitalter können Informationen viel schneller und umfassender verbreitet werden, was eine regelrechte Informationsflut nach sich zieht. Viele Chefs folgen aber der althergebrachten Abschottung, was dazu führt, dass Abteilungen keine Informationen austauschen. Die Gründe sind vielfältig: Informationsvorsprung als Führungsmittel, Sorge vor negativem Feedback z.B. durch den CEO oder Angst, die Kontrolle über die Informationen aus der Hand zu geben. Dabei lassen doch gerade die neuen Technologien neue Netzwerke zu, bei denen genau diejenigen die Informationen erhalten, die sie am besten verwenden können zum Wohle der Firma. Das der offene und - natürlich - sensible Umgang mit Informationen letztlich positiv auf die Führungskräfte zurückfällt, ist den meisten leider nicht bewusst.

Social Media für das Personal Branding

Ein letzter Punkt betrifft die Führungskräfte als Personenmarken - je höher in der Hierarchie, je größer die Firma, umso mehr trifft das zu. Eine Personenmarke muss man aufbauen und pflegen. Der Chef oder CEO, der auch in den sozialen Medien aktiv ist, zeigt eine offensive Kommunikation, eine gewisse Modernität, arbeitet nachvollziehbar an seiner Vernetzung und seiner Sichtbarkeit. Gerade in Krisensituationen kann ein solcher Kanal von Nutzen sein, weil der Chef eindeutig Stellung zum Thema beziehen kann, schnell, direkt und dialogbereit. Auch kann der CEO Informationen mitteilen, die man nicht in den Pressemitteilungen der Firma findet und somit einen Mehrwert bieten. Das sieht man zum Beispiel gut auf dem Instagram-Kanal der Bundeskanzlerin, wo man Bilder sieht, die so nicht in den Nachrichten gesendet werden.
Ich rate Führungskräften dazu, eine eigene Medienpräsenz zu haben, diese zu pflegen und authentisch zu bespielen - entgegen der Sichtweise von Informatik-Professor Cal Newport, der dazu rät, komplett aus Social Media auszusteigen. Leider hat offensichtlich die Mehrheit der deutschen DAX-Manager Cal Newport gelesen. Wie die FAZ kürzlich zu berichten wusste, sind nämlich die meisten von denen nicht in Social Media vertreten (gut kommentiert hier). Und wenn man nun die Frage aufwirft, was denn die Berater dazu sagen, so hat Sascha Stoltenow festgestellt, dass es dort ähnlich trist zugeht - nachzulesen in einem Blogbeitrag von Claudia Tödtmann.
Es bleibt also festzuhalten, dass Führung, vor allem gute Führung, schon immer schwer war und in Zeiten der Digitalisierung noch neue Dimensionen dazubekommen hat. Aber eines ist und bleibt gewiss: Menschen zu führen bietet die größte Herausforderung, aber auch die größte berufliche Befriedigung.

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